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Sortenvielfalt – DeLight Express
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Sortenvielfalt & Terpenkunde

Cannabis ist kein
Einheitsprodukt

Jede Sorte ist eine einzigartige Komposition aus über 100 Cannabinoiden, mehr als 200 Terpenen und zahlreichen Flavonoiden. Das Terpenprofil entscheidet – nicht der THC-Wert.

Das Orchester,
nicht die Sologeige

Der Entourage-Effekt beschreibt das synergetische Zusammenspiel aller Pflanzenstoffe. Cannabinoide, Terpene und Flavonoide wirken gemeinsam stärker und nuancierter als jede Einzelsubstanz. Raphael Mechoulam prägte den Begriff 1998 – und Ethan Russo zeigte: Terpene sind keine Duftstoffe, sie sind pharmakologische Akteure im Endocannabinoid-System.

Cannabinoide
100+ bekannte Verbindungen
Terpene
200+ aromatische Moleküle
Flavonoide
Antioxidativ, entzündungshemmend
Entourage
Synergistisches Gesamtprofil

Indica, Sativa – oder besser: Chemovare

Die klassische Einteilung in Indica und Sativa ist botanisch kaum noch haltbar. Moderne Forschung spricht von Chemovaren – Sorten, die nach ihrem chemischen Profil kategorisiert werden. Das erlaubt gezielte Therapieentscheidungen.

Typ I

THC-dominant

Hoher THC-, niedriger CBD-Gehalt. Starke psychoaktive Wirkung. Therapeutisch bei chronischen Schmerzen, Spastiken, Appetitlosigkeit. Erfordert präzise Dosierung.

THC-hoch / CBD-niedrig
Typ II

Ausgewogen THC/CBD

Balanced-Profil. CBD moduliert die THC-Wirkung, reduziert anxiogene Effekte. Gilt als besonders verträglich. Breites therapeutisches Fenster für Einsteiger und sensible Nutzer.

THC ≈ CBD (1:1 bis 1:3)
Typ III

CBD-dominant

Kaum bis kein THC. Nicht psychoaktiv. Entzündungshemmend, angstlösend, neuroprotektiv. Ideal für Dauertherapie, Kinder, ältere Menschen oder bei beruflicher Verantwortung.

CBD-hoch / THC unter 0,3%

Einteilung nach Hazekamp & Fischedick (2012), Drug Testing and Analysis. Zusätzlich relevant: CBG, CBN, THCV und weitere Minorcanabinoide, die das Profil weiter differenzieren.

Die wichtigsten Terpene im Detail

Terpene produziert die Pflanze in denselben Trichomen wie Cannabinoide. Sie sind der Schlüssel zur Wirkrichtung einer Sorte – und der Grund, warum zwei Sorten mit identischem THC-Gehalt völlig verschieden wirken.

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Bild: Cannabisblüte / Mango

β-Myrcen

Beruhigend Schmerzlindernd Schlaffördernd

Das häufigste Terpen in Cannabis – kann bis zu 50% des gesamten Terpenprofils ausmachen. Myrcen erhöht die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke und verstärkt so den Eintritt von Cannabinoiden ins zentrale Nervensystem. Stimuliert die Freisetzung körpereigener Opioide.

🍋 Erdig, Mango, Moschus 🌡 167°C Vap-Punkt
Auch in: Mango, Thymian, Hopfen
🍋
Bild: Zitrusfrüchte

D-Limonen

Aktivierend Angstlösend Stimmungsaufhellend

Klinische Studien zeigen: Limonen wirkt anxiolytisch und kann die durch THC ausgelöste Angst aktiv abpuffern (Spindle et al.). Erhöht Serotonin- und Dopaminausschüttung. Bereits in den 1990ern verbesserte inhaliertes Limonen Stimmung bei Depressions-Patienten und reduzierte den Bedarf an Antidepressiva.

🍊 Zitrus, frisch 🌡 176°C Vap-Punkt
Auch in: Zitronen, Orangen, Grapefruit
🌶️
Bild: Schwarzer Pfeffer / Nelken

β-Caryophyllen

CB2-Agonist
Entzündungshemmend Schmerzlindernd CB2-Rezeptor

Pharmakologisch einzigartig: das einzige bekannte Terpen, das direkt an den CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems andockt und damit wie ein Cannabinoid wirkt. Besonders relevant bei neuropathischen Schmerzen, Arthritis und Entzündungsgeschehen. Universität Bonn bestätigte Wirkung in Tierstudien.

🌶 Würzig, pfeffrig, harzig 🌡 130°C Vap-Punkt
Auch in: Schwarzer Pfeffer, Nelken, Zimt, Basilikum
💜
Bild: Lavendel

Linalool

Angstlösend Schlaffördernd Beruhigend

Bekannt aus Lavendel und seit Jahrhunderten in der Volksmedizin. Linalool wirkt auf das GABA-System – den körpereigenen „Bremsmechanismus" des Nervensystems – und entfaltet so anxiolytische und krampflösende Eigenschaften. Besonders relevant bei stressbedingten Beschwerden, Schlafstörungen und Angststörungen.

🌸 Blumig, Lavendel, leicht würzig 🌡 198°C Vap-Punkt
Auch in: Lavendel, Bergamotte, Koriander
🌲
Bild: Kiefernwald

α-Pinen

Konzentrationsfördernd Belebend Bronchienerweiternd

Das weltweit am häufigsten vorkommende Terpen in der Natur. Pinen hemmt das Enzym Acetylcholinesterase – das Enzym, das für THC-bedingte Kurzzeitgedächtnis-Beeinträchtigungen mitverantwortlich ist. Wer Klarheit trotz THC-Konsum bevorzugt, profitiert von pinenreichen Sorten besonders.

🌲 Kiefer, harzig, frisch 🌡 156°C Vap-Punkt
Auch in: Kiefer, Rosmarin, Salbei
🍺
Bild: Hopfenzapfen

Humulen

Entzündungshemmend Schmerzlindernd

Verleiht Hopfen und Bier seine typisch herbe Note. In Cannabis tritt Humulen häufig gemeinsam mit β-Caryophyllen auf und verstärkt dessen entzündungshemmende Wirkung. Besonderheit: als eines der wenigen Terpene zeigt es appetithemmende statt appetitsteigernde Eigenschaften – therapeutisch interessant bei Adipositas-assoziierten Erkrankungen.

🍂 Erdig, würzig, Hopfen 🌡 106°C Vap-Punkt
Auch in: Hopfen, Koriander, Salbei
🍏
Bild: Apfel / Flieder

Terpinolen

Energetisierend Stimmungsaufhellend

Das am wenigsten sedierende der gängigen Terpene. Terpinolen ist für aufhellende, klare und manchmal leicht euphorisierte Erlebnisse mitverantwortlich. Kommt vor allem in Sativa-nahen Sorten vor. Präklinisch zeigt es zudem antimikrobielle, antioxidative und in Tierstudien antitumorale Eigenschaften.

🍎 Apfel, Flieder, kräuterig 🌡 186°C Vap-Punkt
Auch in: Apfel, Flieder, Teebaum
🌺
Bild: Orchidee / frische Kräuter

Ocimen

Entzündungshemmend Belebend

Ein seltenes, aber wirkungsvolles Terpen in blumigen Sorten. Besonders interessant in Kombination mit Pinen und Limonen – diese Terpen-Triade zeigt synergistische antiinflammatorische Wirkung. Antiviral, antifungal und leicht belebend. Häufig in Sorten mit komplexem, süßlich-frischem Bouquet.

🌿 Süßlich, frisch, leicht holzig 🌡 66°C Vap-Punkt
Auch in: Orchideen, Minze, Petersilie

Welche Sorte für welchen Moment?

Keine medizinische Empfehlung – aber eine Orientierung, welche Terpen-Kombinationen in der Praxis für welche Beschwerdebilder besonders häufig eingesetzt werden.

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β-Myrcen hochAktiviert körpereigene Opioidrezeptoren, muskelentspannend
🌶️
β-CaryophyllenDirekter CB2-Agonist, entzündungshemmend
🍺
HumulenVerstärkt Caryophyllen-Wirkung synergistisch
🔢
Typ I oder II ChemovareTHC-Anteil für neuropathische Schmerzkomponente
🌿
β-Myrcen über 0,5%Couch-Lock-Effekt, stark sedierend
💜
LinaloolGABA-System, Einschlafförderung, Traumphase
🌶️
β-CaryophyllenReduziert Entzündungsschmerz der den Schlaf stört
🕰
Niedrige Vap-Temp. 170–180°CMyrcen und Linalool optimal extrahieren
🍋
D-Limonen dominantGepufferte THC-Wirkung, anxiolytisch, Serotonin ↑
💜
LinaloolGABA-Aktivierung, beruhigt Nervensystem
⚖️
Typ II oder III (CBD-hoch)CBD moduliert THC-Angst direkt
⚠️
Myrcen-reiche Sorten meidenKann THC-Wirkung unkontrolliert verstärken
🌲
α-Pinen hochHemmt THC-bedingten Gedächtnisverlust, Klarheit
🍋
D-LimonenDopamin + Serotonin, Antrieb, Motivation
🍏
TerpinolenAufhellend, energetisierend, wenig sedierend
🌡
Vap-Temp. 160–175°CPinen und Limonen optimal, Myrcen minimieren
🌡

Vaporisierung ist kein Komfort – sie ist Pharmakologie

Terpene sind flüchtige Verbindungen mit niedrigen Siedepunkten. Verbrennung im Joint zerstört den Großteil des Terpenprofils bei über 700°C. Vaporisierung bei kontrollierten 160–200°C erhält das vollständige Wirkstoffprofil – und damit den Entourage-Effekt. Wer das Potenzial einer Sorte wirklich nutzen will, kommt am Vaporizer nicht vorbei.

66°C Ocimen
106°C Humulen
130°C Caryophyllen
156°C α-Pinen
167°C β-Myrcen
176°C D-Limonen
186°C Terpinolen
198°C Linalool

Deine Nase weiß mehr als das Datenblatt

Terpene sind extrem aromatisch – und der Geruchssinn ist ein erstaunlich zuverlässiger Indikator dafür, welches Terpenprofil der Körper gerade braucht. Wer eine Blüte öffnet und sich direkt angesprochen fühlt, bekommt oft einen Hinweis auf eine gute physiologische Passung. Führe ein Aromatagebuch und notiere Sorte, Duft, Wirkung und Befinden.

🍋
Zitrusfrisch→ Limonen: Energie, Klarheit
🌿
Erdig, schwer→ Myrcen: Entspannung, Tiefe
🌲
Kiefer, harzig→ Pinen: Fokus, Wald
🌸
Blumig, Lavendel→ Linalool: Ruhe, Schlaf
🌶️
Würzig, Pfeffer→ Caryophyllen: Entzündung